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"Grüne Gentechnik" und Imkerei:

Am 06. September 2011 entschied der Europäische Gerichtshof (EuGH), dass mit gentechnisch verändertem Pollen verunreinigter Honig ohne entsprechende Sicherheitsprüfung und Zulassung nicht verkehrsfähig ist und somit nicht mehr verkauft werden darf. Jeder Imker, in dessen Honig auch nur die geringsten Mengen gentechnisch veränderter Pollen von nicht als Lebensmittel zugelassenen Pflanzen nachzuweisen ist, hat somit ein Anrecht auf Entschädigung. Diese Forderung war seitens eines Bündnisses zum Schutz der Bienen vor Agrogentechnik unterstützt worden. Die ganze Breite der Konsequenzen diese Urteils sind noch nicht wirklich absehbar, so werden aber mittelfristig einige Importhonige und andere Lebensmittel aus den europäischen Lebensmittelregalen verschwinden. Dieses Urteil ist eine wichtige Unterstützung der Imker und Verbraucher, die mit großer Mehrheit gentechnisch veränderte Lebensmittel ablehnen entgegen der derzeitigen Bestrebungen der Agrogentechnikindustrie.

Zum Thema "Grüne Gentechnik" und Imkerei hatten wir bereits im Novmeber 2009 Herrn Richard Trutti, derzeit Ehrenvorsitzender des Imkervereins 1865 Wolfhagen, um einige Informationen gebeten. Diese hat er uns freundlicherweise in unten angeführtem Brief zur Verfügung gestellt:

 

 

 

Richard Trutti                                                                                                                           Vorsitzender des                                                                                                                    Imkervereins 1865 Wolfhagen                                                                                    im November 2009

 

Mit Sorge beobachten deutsche Imker den globalen Einsatz von Genpflanzen und diesbezügliche politische Entscheidungen sowohl in Deutschland als auch in Europa

Imker verstehen sich seit langem nicht nur als Honigproduzenten sondern auch als aktive Umweltschützer; daher sprechen sich nicht nur eine erhebliche Mehrheit von Ihnen, sondern auch der Deutsche Imkerbund und alle Landesverbände gegen den Anbau von GVO-Pflanzen aus.

Es gibt bereits -und wir begrüßen dies- gerichtliche Entscheidungen des Verwaltungsgerichts Augsburg, nach denen deutsche Imker ihren mit Pollen von Genpflanzen kontaminierten Honig nicht vermarkten dürfen. Da Imker weder die Flugrichtung ihrer Bienen noch deren Flugzeit beeinflussen können, ist es ihnen auch nicht möglich, Einfluss auf die Inhaltsstoffe des Honigs zu nehmen; die deutsche Honigverordnung schreibt überdies vor, und dem sind alle Imker gern verpflichtet, dass Honig naturbelassen bleiben muss, ihm darf nichts hinzugefügt und nichts entzogen werden. Wenn also Honig, so wie ihn die Bienen eintragen, nicht mehr verkehrsfähig ist, fällt natürlich ein gewichtiges Motiv für die arbeitsintensive Bienenhaltung weg.

Ökonomisch orientierten Imker werden die Bienenhaltung also aufgeben, wenn sie ihre Produkte (Honig, Pollen, Wachs, Propolis, …) nicht mehr vermarkten dürfen.

Die Honigbiene garantiert heute in Deutschland über 80% der Bestäubungsleistung von Nutzpflanzen (Obst, Raps,…), vielmehr allerdings sind tausende von Wildpflanzen auf die Bienenbestäubung angewiesen, wenn diese in Zukunft weiter existieren sollen.

Um Einkreuzungen von Genen in andere Kulturpflanzen zu vermeiden, sind in Deutschland Abstandsregeln von ca. 150 Metern vorgesehen, Bienen -und auch andere Bestäuberinsekten fliegen aber in einem Radius von bis zu 7 Kilometern; Sicherheitsabstände zu Wildpflanzen sind ohnehin nicht praktizierbar, unbestritten sind auch Übertragungen von Pollen der Kultur- auf Wildpflanzen nicht ungewöhnlich, der Raps mit seinen vielen Verwandten ist hierzu ein bekanntes Beispiel.

Die natürliche, in jahrhunderttausenden gewachsene Flora unserer Region ist gefährdet, denn sie wird sich, so diese zum Einsatz kommen, durch den Einfluss gentechnisch veränderter Organismen so rasant ändern, dass die Natur dies nicht zu kompensieren vermag, somit werden auch viele Kleintiere, insbesondere Nahrungsspezialisten, ihre Lebensgrundlage verlieren und als wichtiges Glied in der Nahrungskette auch für uns Menschen ausfallen.

Ökologisch interessierte Imker werden, wenn die Vielfalt unserer Natur der Zerstörung preisgegeben ist, ihre Ziele nicht mehr als erreichbar ansehen, also keinen Sinn mehr in ihrem Hobby finden und daher aufgeben.

Die Imkerei wird heute in Deutschland nahezu ausschließlich als Hobby von naturverbundenen Bürgern betrieben; allein der Imkerverein 1865 Wolfhagen hat als einer der ältesten Vereine unserer Region über 60 Mitglieder und garantiert durch die regionale Verteilung seiner weit über 300 Bienenvölker eine sichere Bestäubung -also Existenz- o.g. Flora und Fauna.

Die Agrogentechnik wird, wenn man sie politisch nicht verhindert, unsere heutige bäuerliche Struktur derart umformen, dass zukünftige Landwirte in ihrer Abhängigkeit von der Agrarindustrie kaum noch Entscheidungskompetenzen bezüglich ihrer Tätigkeiten behalten können.

Die Imker werden den zu erwartenden Problemen (z.B. Regressforderungen) durch Aufgabe ihrer Bienenhaltung aus dem Wege gehen, zumal kaum einer von ihnen wirtschaftlich auf sie angewiesen ist.