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Grüne Gentechnik - Chance oder Risiko?

Mit der Entschlüsselung des genetischen Codes scheint der große Traum der Menschheit, Lebewesen nach eigenen Vorstellungen und Wünschen formen zu können, greifbar nah.

Gesündere Lebensmittel werden in Zukunft alle für eine ausgewogene Ernährung notwendigen Inhaltsstoffe enthalten. Für die Landwirte scheinen Probleme wie Schädlinge, Unkräuter oder magere Ernten bald der Vergangenheit anzugehören. Die Hungernden in der Welt, die in den nächsten Jahrzehnten wachsende Weltbevölkerung, sie alle werden genügend Nahrung finden durch die Grüne Gentechnik.

Die neue Technologie scheint der Schlüssel für eine bessere Welt zu sein, ganz im Sinne der Menschheit.

Doch weckt die Grüne Gentechnik nicht nur große Hoffnungen, sondern auch Ängste. Welche Auswirkungen haben die gentechnisch veränderten Organismen (GVO) auf unsere Umwelt? Existieren Gesundheitsgefahren bei dem Verzehr gentechnisch veränderter Produkte? Verschaffen Patentrechte und Technologieverträge den vertreibenden Konzernen in Zukunft die Macht über unsere Nahrungsmittel? Diese und weitere Fragestellungen befassen sich mit dem Einfluss der neuen Technologie auf unser aller Leben und Zukunft.

Die Grüne Gentechnik ist nicht nur aus mikrobiologischer Sicht ein sehr komplexes Thema, auch ihre Auswirkungen auf ökologische, gesundheitliche, ökonomische, soziale und juristische Zusammenhänge sind sehr vielfältig.

 

Wie sind die von den Befürwortern genannten Vorteile der Grünen Gentechnik zu bewerten?

Von Befürwortern der Grünen Gentechnik werden in der Regel als Vorteile die Steigerung der Erträge, die Verringerung des Pestizideinsatzes und die Bekämpfung des Hungers in den ärmeren Regionen dieser Welt genannt.

Ob die Erträge tatsächlich gesteigert werden können, ist jedoch umstritten. Es gibt sowohl Beispiele für Ertragssteigerungen als auch Beispiele für Ertragseinbußen beim Einsatz der Grünen Gentechnik. Auch der Erfolg bei der Verringerung des Pestizideinsatzes ist fraglich, da einige Schadorganismen bereits Resistenzen gegen die Mittel und Methoden der Grünen Gentechnik ausgebildet haben und dies auch in Zukunft tun werden. Für die Hungernden dieser Welt wird die Grüne Gentechnik die Probleme eher noch vergrößern. Die Kleinbauern würden beispielsweise durch die Technologieverträge in eine Abhängigkeit von den Großkonzernen geraten, durch die ihnen unter anderem ihre Lebensgrundlage, die Nachzucht aus der eigenen Ernte untersagt wird. Lösungsansätze sollten hier eher auf gesellschaftlicher und politischer Ebene gesucht werden.

 

Warum wird die Grüne Gentechnik von ihren Kritikern als Risikotechnologie bezeichnet?

Die Kritiker der Grünen Gentechnik geben zu bedenken, dass diese zum Teil unkalkulierbare Risiken mit sich bringt.

 

 

   Ökologische Risiken  

Es ist zu befürchten, dass

  • es durch den Einfluss auf Nichtzielorganismen zu einer Bedrohung der Artenvielfalt kommt.

  • es zur Auskreuzung in Wildkräuter und dann auch zur Rückkreuzung in weitere Kulturen kommt.

  • es zu einer Verunreinigung von anliegenden Kulturen durch Pollenflug oder den Eintrag von Samen kommt.

  • es zu einem Wertverlust des Bodens durch verbleibende Samen (Gefahr des Durchwuchses) und/oder verbleibende Toxine (Einfluß auf den Boden als Lebensraum) kommt.

  • es zu Auswirkungen auf die Bienen und damit auch ihre Funktion als Bestäuber kommt.

  • es durch die Ausbildung von Resistenzen zu einer Steigerung des Einsatzes von Pestiziden kommt.

  • eine Zunahme von Monokulturen erfolgen wird.

 
 
 

   Gesundheitliche Risiken  

Es ist bedenklich, dass

  • es weltweit keine Studie über die Auswirkungen von GVO auf den menschlichen Organismus gibt.

  • die in der Regel ein- bis dreimonatigen Tierversuche mit Nagetieren zumeist nur der Feststellung akuter Toxizität dienen und von den entsprechenden Saatgutunternehmen selber durchgeführt werden. Auf diese Weise können kaum subtoxische, chronische oder allergene Auswirkungen erfasst werden.

  • das allergene Potential von neu eingeführten Proteinen nicht abschätzbar ist, generell sind allergische Reaktionen möglich.

  • die Auswirkungen auf den tierischen, Nahrungsmittel liefernden Organismus nicht geklärt sind. Zum Teil wurden Veränderungen tierischer Organe und des Blutbildes von Ratten und Mäusen festgestellt.

  • nicht klar ist, ob und welche Auswirkungen der Einsatz von Antibiotikaresistenzgenen nach sich zieht.

 
 
 

   Ökonomische Risiken  

Es sollte bedacht werden, dass

  • es nicht zwangsläufig zu einer Ertragssteigerung kommen wird, ja sogar Ertragseinbußen bereits aufgetreten sind.

  • man durch die Abstandsregeln mit geringeren Anbauflächen rechnen muss.

  • es zu einem Mehraufwand zur Einhaltung der Sicherheitsvorschriften kommen wird. Gegebenenfalls wird auch die Durchführung eines Resistenzmanagement notwendig.

  • es zum Verlust der Planungssicherheit kommt, da verunreinigte Produkte in der Regel vom Handel nicht mehr abgenommen werden.

  • es generell Probleme beim Absatz geben kann. Außerdem käme es zu einem Verlust des Wettbewerbsvorteils, regional und auf dem Weltmarkt (z.B. gegenüber Amerika), welchen nicht mit GVO verunreinigte Produkte bislang bieten.

  • der Landwirt durch Patente und Technologieverträge von den Konzernen abhängig gemacht wird.

  • mittelfristig keine gentechnikfreie Landwirtschaft mehr möglich sein wird und dies zu einem Verlust der Wahlfreiheit für Erzeuger und Verbraucher führt.

  • die Monopolstellung weniger Firmen in der Nahrungsmittelindustrie gefördert wird.

 
 
 

   Soziale Risiken  

Es sollte bedacht werden, dass

  • es zu Unfrieden und Konflikten unter Nachbarn und im weiteren sozialen Umfeld kommen kann.

  • durch die Möglichkeit der Absprache mit Nachbarn zur Abstandsregelung, von „Mächtigeren“ Druck ausgeübt werden kann.

 
 
 

Juristische Risiken

Es sollte bedacht werden, dass

  • es bei Verunreinigungen der Erzeugnisse zur Nichterfüllung von Verträgen gegenüber den Abnehmern kommen kann.

  • ein GVO anbauender Landwirt über die Regelung der Gesamtschuldnerische Haftung verschuldet aber eventuell auch unverschuldet belangt werden kann.

  • es zur Zeit noch keinen Versicherungsschutz gibt.

  • dass es keine Haftungsbeteiligung der Saatguthersteller gibt.

  • man über Patente und Technologieverträge in eine starke Abhängigkeit und unter die Kontrolle der Saatgutunternehmen gerät.

 
 
   

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Ein sehr bedenklicher Faktor ist generell, dass die möglichen negativen Folgen zum Teil nicht mehr rückgängig zu machen sein werden.

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In den USA, Argentinien und Kanada hat die Erfahrung bereits gezeigt, dass ein Nebeneinander von Landwirtschaft mit und ohne den Einsatz von GVO langfristig nicht funktionieren kann. Garantiert gentechnikfreie Ernten bestimmter Pflanzensorten können hier nicht mehr gewährleistet werden. Was das langfristig für diese Länder bedeuten wird, bleibt abzuwarten. Bisher bleiben ihnen, aufgrund der mangelnden Akzeptanz der Verbraucher den GVO gegenüber, Teile des europäische Marktes verschlossen.

In Europa wird in der Landwirtschaft bisher noch kein kommerzieller Anbau von GVO im großen Stil betrieben. Zur Zeit ist es noch möglich hier auch weiterhin GVO-frei zu produzieren und somit dem Wunsch des Großteils der Verbraucher nach gentechnisch freien Lebensmitteln nachzukommen.

Eine Möglichkeit für die Landwirte, sich diese Wahlfreiheit für eine garantiert gentechnikfreie Erzeugung auch mittel- und langfristig zu bewahren, ist die bewusste, freiwillige Entscheidung zu einer Gentechnikfreien Region.

 
 

Das Beispiel des nordhessischen Niedermöllrich, wo bereits seit 2007 gentechnisch veränderter Mais zu Versuchszwecken angebaut werden sollte, zeigt, dass es auch in unserer Region jederzeit zum Anbau von GVO kommen kann. Der Anbau wurde auch aufgrund des massiven Protestes der Bevölkerung zurückgestellt.

Wir möchten nicht erst warten, bis Wolfhagen in eine ähnliche Situation gerät und uns deshalb im Vorfeld mit allen Beteiligten vor Ort zusammentun. Es liegt an dem gemeinsamen Engagement von Verbrauchern, Landwirten, Herstellern, dem Handel und den Politikern sich von der Grünen Gentechnik und ihren Risiken nicht einfach willenlos überrollen zu lassen, sondern bewusste Entscheidungen zu treffen.